Shot Map verstehen: Torschüsse visuell analysieren

Was eine Shot Map zeigt, wie man Schussqualität erkennt und welche Tools die besten Visualisierungen bieten.

Wo geschossen wird, entscheidet das Spiel. Torschüsse sind die Währung des Fußballs, aber nicht jeder Schuss ist gleich viel wert. Ein Abschluss aus fünf Metern zentral vor dem Tor hat eine grundlegend andere Qualität als ein Distanzschuss aus 25 Metern im spitzen Winkel. Shot Maps machen genau diesen Unterschied sichtbar — auf einen Blick, ohne eine einzige Zahl lesen zu müssen.

Eine Shot Map ist eine grafische Darstellung aller Torschüsse eines Spiels, einer Mannschaft oder eines Spielers, aufgetragen auf das Spielfeld. Jeder Schuss wird als Punkt markiert, wobei Position, Größe und Farbe Informationen über Ort, Qualität und Ergebnis des Abschlusses transportieren. In Kombination mit xG-Werten werden Shot Maps zu einem der mächtigsten Analyseformate für alle, die Fußball über das Ergebnis hinaus verstehen wollen.

Dieser Artikel erklärt den Aufbau einer Shot Map, zeigt, wie man die visuellen Elemente korrekt interpretiert, und stellt die besten frei zugänglichen Tools vor, auf denen Shot Maps verfügbar sind.

Was zeigt eine Shot Map? Aufbau und Elemente

Im Kern ist eine Shot Map ein zweidimensionales Diagramm: Das Spielfeld bildet den Hintergrund, und jeder Torschuss wird als Punkt an der Stelle eingetragen, von der er abgegeben wurde. Die meisten Darstellungen konzentrieren sich auf eine Hälfte des Spielfelds — die Angriffsrichtung des jeweiligen Teams oder Spielers —, weil die relevanten Abschlüsse fast ausschließlich in der gegnerischen Hälfte stattfinden.

Die Elemente einer typischen Shot Map sind standardisiert, variieren aber leicht zwischen Plattformen. Die Position des Punkts zeigt, von wo geschossen wurde — je näher am Tor, desto zentraler und tiefer der Punkt im Diagramm. Die Größe des Punkts steht in den meisten Darstellungen für den xG-Wert der Chance: Ein großer Punkt symbolisiert eine Großchance mit hoher Torwahrscheinlichkeit, ein kleiner Punkt einen Abschluss mit geringem xG. Die Farbe oder Form signalisiert das Ergebnis: Ob der Schuss ein Tor war, gehalten, geblockt, daneben ging oder den Pfosten traf.

Manche Plattformen erweitern die Shot Map um zusätzliche Informationen. Understat etwa zeigt Dreiecke für Kopfbälle und Kreise für Schüsse mit dem Fuß. FBref integriert den konkreten xG-Wert als Tooltip, der beim Überfahren eines Punkts erscheint. Diese Details erhöhen die Informationsdichte, ohne die visuelle Klarheit zu gefährden.

Die Datengrundlage für Shot Maps liefern Event-Daten, die von Anbietern wie Opta oder StatsBomb bei jedem Spiel erhoben werden. Jeder Torschuss wird mit Koordinaten, Schusstechnik, Spielsituation und dem Ergebnis erfasst. Diese Rohdaten werden dann in die visuelle Darstellung überführt — entweder automatisiert durch die Plattform oder manuell durch Analysten, die eigene Visualisierungen erstellen.

Shot Maps lesen: Größe, Farbe und Position deuten

Die wichtigste Frage beim Lesen einer Shot Map: Wo konzentrieren sich die Abschlüsse? Ein Team, dessen Punkte sich im Zentrum des Strafraums häufen, spielt seine Angriffe konsequent zu Ende und kommt zu Chancen in der gefährlichsten Zone. Ein Team mit verstreuten, kleinen Punkten am Strafraumrand oder dahinter nimmt häufig Distanzschüsse — oft ein Zeichen dafür, dass es Schwierigkeiten hat, in den Strafraum einzudringen.

Die Größe der Punkte liefert den zweiten Informationsgehalt. Sie korreliert mit dem xG-Wert der jeweiligen Chance und basiert auf den Modellen, die jeder Plattform zugrunde liegen. Eine Studie von Iapteff et al. (2025) zeigte, dass Bayesian-basierte xG-Modelle mit nur sieben Variablen einen AUC-Wert von 0,781 erreichen — das bedeutet, die Zuordnung der Torwahrscheinlichkeit ist statistisch belastbar. Große Punkte auf der Shot Map sind also keine willkürliche Darstellung, sondern Ausdruck einer wissenschaftlich fundierten Bewertung.

Die Farbe differenziert zwischen Ergebnissen. Typischerweise markieren gesättigte Farben wie Rot oder Grün Tore, Grautöne oder offene Kreise stehen für gehaltene oder geblockte Schüsse. Diese Farbcodierung macht auf einen Blick erkennbar, wie effizient ein Spieler seine Chancen nutzt: Viele große Punkte ohne Torfarbe deuten auf einen Stürmer hin, der in guten Positionen steht, aber schlecht abschließt. Viele kleine Punkte in Torfarbe zeigen das Gegenteil — einen Abschlussspezialisten, der auch aus ungünstigen Lagen trifft.

Eine fortgeschrittene Lesart kombiniert Shot Maps mit dem kumulierten xG-Wert. Wenn ein Spieler laut Shot Map viele Abschlüsse aus dem Strafraum zeigt und trotzdem einen niedrigen xG pro Schuss aufweist, waren die Positionen zwar zentral, aber nicht frei — hoher Gegnerdruck oder ungünstige Winkel senken den Wert. Die Shot Map allein zeigt die Position, nicht den vollständigen Kontext. Erst die Kombination mit xG-Daten ergibt das vollständige Bild.

Auch der Vergleich zweier Shot Maps innerhalb eines Spiels ist aufschlussreich. Wenn Team A seinen Strafraum mit großen Punkten füllt und Team B nur kleine Punkte am Rand zeigt, war die Chancenqualität ungleich verteilt — selbst wenn das Ergebnis etwas anderes suggeriert. Diese visuelle Gegenüberstellung macht Shot Maps zu einem der schnellsten Wege, um zu beurteilen, ob ein Ergebnis der tatsächlichen Spielkontrolle entspricht oder ob eine Mannschaft über ihre Verhältnisse gewonnen hat.

Wo findet man gute Shot Maps? Tools im Überblick

Gute Shot Maps sind kein Privileg zahlender Kunden. Mehrere Plattformen bieten sie kostenlos an — mit unterschiedlichem Detailgrad. Understat gehört zu den beliebtesten Quellen: Die Seite zeigt Shot Maps für die fünf großen europäischen Ligen mit xG-Werten pro Schuss, filterbar nach Spielern, Teams und Saisons. Die Darstellung ist minimalistisch, aber informationsdicht.

FBref, betrieben von Sports Reference, integriert Shot Maps in seine umfangreichen Spielerprofile. Die Darstellung dort ist weniger visuell auffällig, bietet aber den Vorteil, dass Shot Maps direkt neben anderen Metriken wie xG, xA und progressiven Pässen stehen. Wer kontextbasierte Analysen bevorzugt, findet bei FBref die beste Einbettung.

Für mobile Nutzung eignen sich Apps wie FotMob und SofaScore, die Shot Maps als Teil ihrer Match-Center anbieten. Nach jedem Spiel lassen sich die Abschlüsse beider Teams grafisch vergleichen — inklusive xG-Summen und Trefferquoten. Die Bedienung ist intuitiv, die Datenbasis stammt von Opta oder vergleichbaren Anbietern.

Professionelle Analysten nutzen darüber hinaus Tools wie StatsBomb IQ oder Wyscout, die Shot Maps mit zusätzlichen Filtern versehen: Schusstechnik, Spielphase, Drucksituation. Diese Plattformen sind kostenpflichtig, bieten aber eine Tiefe, die für Scouting und taktische Vorbereitung unverzichtbar ist. Die Tracking-Daten dahinter umfassen rund 3,6 Millionen Datenpunkte pro Spiel — ein Volumen, das nur mit professioneller Infrastruktur verarbeitet werden kann.

Fazit

Shot Maps gehören zu den zugänglichsten und gleichzeitig informativsten Visualisierungen der Fußballanalyse. Position, Größe und Farbe jedes Punkts erzählen eine Geschichte über die Qualität eines Abschlusses — ohne dass man dafür Tabellen oder Modelle verstehen muss. Wer Shot Maps regelmäßig liest, entwickelt ein Gespür dafür, welche Stürmer ihre Tore aus Großchancen erzielen und welche aus dem Nichts treffen.

Die besten Quellen sind kostenlos verfügbar: Understat, FBref und mobile Apps wie FotMob liefern Shot Maps für alle großen Ligen. Wo geschossen wird, entscheidet das Spiel — und Shot Maps zeigen genau das.

Quellen