Post-Shot xG (PSxG): Was die Metrik verrät

Was Post-Shot xG von Standard-xG unterscheidet, wann PSxG aussagekräftiger ist und wie Torhüter bewertet werden.

Nach dem Schuss wird es erst interessant. Expected Goals (xG) bewertet die Qualität einer Torchance vor dem Abschluss — basierend auf Position, Winkel und Distanz. Aber xG ignoriert einen entscheidenden Faktor: Was passiert nach dem Schuss? Wohin fliegt der Ball? Trifft er die Ecke oder geht er in die Mitte? Wird er überhaupt aufs Tor gebracht? Post-Shot xG (PSxG) schließt diese Lücke, indem es die Schussplatzierung in die Berechnung einbezieht — und damit eine Metrik liefert, die sowohl die Abschlussqualität von Stürmern als auch die Leistung von Torhütern differenzierter bewerten kann.

PSxG ist eine der fortgeschrittensten Metriken im modernen Fußball und bildet eine natürliche Erweiterung des xG-Konzepts. Wer xG verstanden hat, kann PSxG als nächste Analyseebene erschließen — und damit Fragen beantworten, die xG allein offen lässt.

Dieser Artikel erklärt, wie PSxG berechnet wird, zeigt die Unterschiede zu xG und demonstriert, wie die Metrik in der Praxis zur Bewertung von Torhütern eingesetzt wird.

Was ist Post-Shot xG? Definition und Berechnung

Post-Shot xG berechnet die erwartete Torwahrscheinlichkeit eines Schusses unter Berücksichtigung der Schussplatzierung — also der Position, an der der Ball das Tor (oder den Bereich um das Tor) erreicht. Während xG vor dem Schuss ansetzt und nur die Situation bewertet (Position des Schützen, Winkel, Distanz, Spielsituation), setzt PSxG nach dem Schuss an und bezieht zusätzlich ein, wohin der Ball fliegt.

Die Berechnung basiert auf einem erweiterten Modell, das die Torwartposition, die Geschwindigkeit des Schusses und die Platzierung im Torrahmen als Variablen einbezieht. Ein Schuss in die obere Ecke hat einen deutlich höheren PSxG-Wert als ein zentraler Schuss auf gleicher Höhe, weil der Torwart weniger Fläche abdecken kann. Ein Schuss, der neben das Tor geht, hat einen PSxG-Wert von null — er kann per Definition nicht zu einem Tor führen.

Ein Bayesian-basiertes xG-Modell, wie es Iapteff et al. (2025) beschrieben, erreicht mit nur sieben Eingangsvariablen einen AUC-Wert von 0,781. PSxG-Modelle bauen auf solchen Grundmodellen auf und erweitern sie um die Dimension der Schussplatzierung. Das Ergebnis ist ein präziserer Wert, der die tatsächliche Schwierigkeit einer Parade für den Torwart abbildet — und damit eine Brücke zwischen Offensiv- und Defensivanalyse schlägt.

Wichtig: PSxG wird nur für Schüsse berechnet, die aufs Tor gehen. Schüsse, die über die Latte oder neben den Pfosten fliegen, erhalten keinen PSxG-Wert. Geblockte Schüsse werden ebenfalls ausgeschlossen, weil die Schussplatzierung durch den Block verändert wird und nicht mehr dem ursprünglichen Abschluss entspricht. Diese Einschränkung reduziert die Stichprobengröße gegenüber xG erheblich — ein Aspekt, der bei der Interpretation berücksichtigt werden muss.

PSxG vs. xG: Was erfasst welche Metrik?

Der fundamentale Unterschied zwischen xG und PSxG liegt im Informationszeitpunkt. xG bewertet die Chance vor dem Schuss: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein durchschnittlicher Spieler aus dieser Position trifft? PSxG bewertet die Chance nach dem Schuss: Wie wahrscheinlich ist es, dass dieser konkrete Schuss — mit dieser Platzierung und Geschwindigkeit — ein Tor wird?

Für Stürmer liefert die Differenz zwischen tatsächlichen Toren und xG eine Aussage über die Abschlussqualität: Wer dauerhaft mehr trifft als sein xG vorhersagt, schließt überdurchschnittlich gut ab. PSxG verfeinert dieses Bild, indem es zeigt, warum ein Stürmer überdurchschnittlich gut abschließt: Platziert er seine Schüsse besser als der Durchschnitt? Oder hat er Glück mit schwachen Torwartleistungen? Ein Stürmer mit hohem PSxG pro Schuss aufs Tor platziert seine Abschlüsse präzise — unabhängig davon, ob der Torwart den Schuss hält oder nicht.

Eine Studie von Forcher et al. (2025) zeigte, dass xG den Spielausgang in der Bundesliga mit 65,6 Prozent Genauigkeit vorhersagt. PSxG verbessert diese Prognose, weil es die zusätzliche Information der Schussplatzierung nutzt — ein Schuss in die obere Ecke hat eine höhere Torwahrscheinlichkeit als einer in Torwarthöhe, auch wenn beide aus derselben Position abgegeben werden. Diese zusätzliche Varianz wird von xG nicht erfasst, von PSxG aber schon.

In der Praxis bedeutet das: xG ist die bessere Metrik für die Bewertung von Chancenqualität und Spielleistung über eine Saison, weil sie eine größere Stichprobe hat und weniger von Einzelereignissen beeinflusst wird. PSxG ist die bessere Metrik für die Bewertung einzelner Schüsse und für die Analyse von Torwartleistungen, weil sie die Schwierigkeit der Parade quantifiziert. Beide Metriken ergänzen sich — sie ersetzen einander nicht.

PSxG in der Praxis: Torhüter bewerten

Die wichtigste praktische Anwendung von PSxG liegt in der Torhüterbewertung. Die klassische Metrik für Torhüter — die Fangquote (Verhältnis gehaltener Schüsse zu Schüssen aufs Tor) — hat ein grundlegendes Problem: Sie behandelt alle Schüsse gleich. Ein Fernschuss auf Brusthöhe in die Mitte und ein Kopfball aus fünf Metern in die obere Ecke werden in der Fangquote als gleichwertige Aufgaben behandelt — obwohl die Schwierigkeit völlig verschieden ist.

PSxG löst dieses Problem. Die Differenz zwischen PSxG und tatsächlich kassierten Toren — oft als PSxG+/- bezeichnet — zeigt, wie viele Tore ein Torwart mehr oder weniger kassiert hat, als aufgrund der Schussplatzierung zu erwarten war. Ein positiver Wert bedeutet: Der Torwart hat Schüsse gehalten, die statistisch hätten reingehen müssen. Ein negativer Wert bedeutet: Der Torwart hat Tore kassiert, die ein durchschnittlicher Torwart gehalten hätte.

Die besten Torhüter der Bundesliga weisen über eine Saison PSxG+/–Werte von +5 bis +8 auf — sie verhindern also fünf bis acht Tore mehr, als das Modell erwartet. Durchschnittliche Torhüter liegen nahe null, schwache Torhüter im negativen Bereich. Für Scouts und Sportdirektoren ist PSxG+/- einer der zuverlässigsten Indikatoren für die tatsächliche Qualität eines Torhüters — zuverlässiger als Fangquote, Gegentore oder subjektive Eindrücke.

FBref zeigt PSxG-Daten für alle großen Ligen frei zugänglich an. Die Metrik ist dort unter „Goalkeeping Advanced“ verfügbar und umfasst PSxG pro Schuss aufs Tor, PSxG+/- und die Gesamtbilanz über die Saison. Für eine belastbare Bewertung sollte ein Torwart mindestens 15 bis 20 Spieltage absolviert haben — darunter ist die Stichprobe zu klein, um stabile Muster zu erkennen.

Eine Einschränkung: PSxG bewertet nur die Paradenleistung, nicht das gesamte Torwartspiel. Mitspielen, Positionsspiel, Strafraumbeherrschung und Kommandoführung werden von PSxG nicht erfasst. Ein Torwart mit exzellentem PSxG+/-, der aber bei Flanken unsicher agiert, ist kein vollständiger Torhüter. PSxG ist ein Ausschnitt — ein wichtiger, aber nicht der einzige.

Fazit

Post-Shot xG erweitert das xG-Konzept um die entscheidende Dimension der Schussplatzierung. Für Stürmer zeigt PSxG, warum ihre Abschlüsse überdurchschnittlich sind. Für Torhüter liefert PSxG+/- den zuverlässigsten frei verfügbaren Indikator für die Paradenqualität. Nach dem Schuss wird es erst interessant — und PSxG macht das Interessante messbar.

Wer xG versteht, sollte PSxG als nächsten Schritt in sein analytisches Repertoire aufnehmen. Die Metrik ist auf FBref frei zugänglich, die Interpretation erfordert Kontext und Stichprobenbewusstsein — aber der Erkenntnisgewinn ist erheblich.

Quellen